Messwerte (Measures)

Messwerte stellen die numerischen Werte dar, die in den Ansichten des SWOT Cube analysiert und ausgewertet werden. Sie bilden die Grundlage für Berechnungen, Aggregationen und Vergleiche innerhalb der Pivot-Tabellen.

Abbildung 38 Messwerte (Measures)

Messwerte werden in der Hauptansicht (Pivot-Tabelle) verwendet, um:

  • Werte darzustellen und zu aggregieren

  • Kennzahlen miteinander zu vergleichen

  • Abweichungen und Anteile zu berechnen

In Kombination mit Dimensionen ermöglichen sie eine flexible und mehrdimensionale Datenanalyse.


Allgemeine Eigenschaften

Ein Messwert ist durch folgende Eigenschaften definiert:

Eigenschaft
Beschreibung

Name

Bezeichnung des Messwertes, z. B. Umsatz, Kosten oder Preis

Dezimalstellen

Anzahl der angezeigten Nachkommastellen je Messwert (einstellbar von 0 bis 9)

Typ

Fachliche Art des Messwertes (z. B. Währung, Prozent, Menge)

Aggregation

Berechnungslogik innerhalb von Ansichten

Formel

Optionale Berechnungsdefinition für abgeleitete Werte

Die Dezimalstellen werden pro Messwert festgelegt und bestimmen die Genauigkeit der Darstellung. Die Anzahl der angezeigten Nachkommastellen kann dabei zwischen 0 und 9 eingestellt werden.

Diese Einstellung betrifft ausschließlich die Anzeige der Werte. Die interne Berechnung sowie die Genauigkeit der zugrunde liegenden Werte bleiben davon unverändert. Dadurch können Werte je nach fachlichem Zweck unterschiedlich formatiert dargestellt werden, ohne die Berechnungslogik zu beeinflussen. Dadurch können unterschiedliche Anforderungen berücksichtigt werden, z. B. ganzzahlige Mengen, Währungswerte mit zwei Dezimalstellen oder Prozentwerte mit angepasster Genauigkeit.

Messwerte können entweder direkt aus Datenquellen stammen oder auf Basis von Formeln berechnet werden.


Typisierung von Messwerten

Die Typisierung bestimmt die fachliche Bedeutung sowie die Darstellung und Verarbeitung eines Messwertes.

Grundtypen

Typ
Beschreibung

Originalwährung

Werte werden in der jeweils ursprünglichen Währung gespeichert und angezeigt. Dies kann sowohl die Hauptwährung als auch Fremdwährungen umfassen.

Hauptwährung

Werte werden systemseitig in eine definierte Hauptwährung umgerechnet und einheitlich dargestellt.

Mengen & Zahlen

Mengenangaben ohne Währungsbezug (z. B. Stück, Gewicht, Anzahl)

Prozent

Relative Werte (z. B. Margen, Anteile oder Kennzahlenverhältnisse)

Beschreibung der Währungstypen

Originalwährung wird verwendet, wenn Werte in ihrer ursprünglichen Währung erhalten bleiben sollen. Dies ist insbesondere bei Datenbeständen mit mehreren Währungen relevant.

Hauptwährung dient der Vereinheitlichung von Werten. Alle entsprechenden Messwerte in Fremdwährungen werden in eine definierte Referenzwährung umgerechnet. Dies ermöglicht direkte Vergleiche und konsistente Aggregationen über unterschiedliche Währungen hinweg.

Die Wahl zwischen Originalwährung und Hauptwährung beeinflusst sowohl die Darstellung als auch die Aggregation der Daten.


Aggregation von Messwerten

Die Aggregation legt fest, wie Werte innerhalb einer Ansicht zusammengefasst werden.

Aggregation
Beschreibung

Summe

Addition aller Werte (typisch für mengen- und umsatzbezogene Kennzahlen)

Durchschnitt

Bildung eines Mittelwertes (z. B. für Preise oder Kennzahlen je Einheit)

Eigene Formel

Individuelle Berechnung auf Basis definierter Formeln

Die Aggregation wirkt insbesondere auf aggregierte Ebenen innerhalb der Pivot-Struktur (z. B. Gruppen oder Gesamtsummen).


Standard- und benutzerdefinierte Messwerte

SWOT Cube unterscheidet zwischen zwei Kategorien von Messwerten:

Kategorie
Beschreibung

Systemseitig definierte Kennzahlen; begrenzt editierbar und nicht löschbar

Individuell angelegte Kennzahlen; frei konfigurierbar

Benutzerdefinierte Messwerte ermöglichen die Erweiterung des Datenmodells um spezifische betriebliche Kennzahlen.


Eingabe- und Formel-Messwerte

Zusätzlich erfolgt eine funktionale Unterscheidung nach der Herkunft der Werte:

Typ
Beschreibung

Eingabefähige Messwerte

Werte können manuell oder über Datenimporte (ETL) befüllt werden

Berechnete Messwerte

Werte werden über eine Formel definiert und automatisch berechnet

Berechnete Messwerte sind nicht direkt editierbar, da ihr Wert ausschließlich aus der zugrunde liegenden Formel resultiert. Änderungen erfolgen ausschließlich durch Anpassung der Formel.


Standard-Messwerte

Standardmäßig sind in SWOT Cube drei eingabefähige Messwerte vordefiniert:

  1. Menge (Umsatz / Preis)

  2. Preis

  3. Umsatz (Menge x Preis)

Bei der manuellen Eingabe von Mengen oder Preisen wird der zugehörige Umsatz in der Eingabemaske automatisch berechnet.

Umgekehrt führt eine Änderung des Umsatzes zur entsprechenden Anpassung der Menge auf Basis des vorhandenen Preises. Dadurch wird die formelhafte Beziehung zwischen den Messwerten (z. B. Umsatz = Menge × Preis) jederzeit konsistent gehalten.

Diese Konsistenz bei Standard-Messwerten wird systemweit sichergestellt:

  • bei der Detaileingabe in der Detailansicht (Drill-Down-Details)

  • bei der Top-Down-Verteilung

  • bei der In-Place-Bearbeitung über mehrere Knoten

  • über alle Aggregationsebenen des Cube hinweg

Die Standard-Messwerte stellen eine Besonderheit dar. Diese besitzen sowohl Eigenschaften von eingabefähigen als auch von berechneten Messwerten:

  • sie können Werte enthalten, die direkt verarbeitet werden

  • gleichzeitig unterliegen sie fest definierter Berechnungslogik

Die automatische Umrechnung auf Basis geänderter Werte erfolgt ausschließlich innerhalb des SWOT Cube.

Anforderungen bei externer Datenverarbeitung

Werden Standard-Messwerte außerhalb des Systems verändert, beispielsweise durch einen ETL-Prozess, muss die fachliche Konsistenz der zugrunde liegenden Berechnungen sichergestellt werden:

  • Die Beziehung zwischen abhängigen Messwerten (z. B. Umsatz = Menge × Preis) muss im ETL-Prozess korrekt berücksichtigt werden

  • Änderungen an einem Wert erfordern entsprechende Anpassungen der abhängigen Messwerte

Die Verantwortung für die Konsistenz liegt in diesem Fall außerhalb des Cubes und muss im jeweiligen ETL-Datenintegrationsprozess umgesetzt werden.

Anpassung von Standard-Messwerten

Je nach Aufgabestellung können die vordefinierten Messwerte (Menge, Preis, Umsatz) umbenannt werden. Somit kann man unter dem Konstrukt Menge x Preis = Umsatz ein eigenes Produkt von 2 Faktoren vorstellen, wie z.B. folgende Messwerte:

  • Stundensatz x Produktionskosten pro Stunde = Summe der Produktionskosten

  • Kontostand x Zinssatz = Summe der Zinsen

  • Vertragslaufzeit (in Jahren / Monaten / Tagen) x Vertragssumme (pro Jahr / Monat / Tag) = Vertragskosten gesamt

Benutzerdefinierte Messwerte

Ein benutzerdefinierter Messwert kann entweder einen Eingabe-Messwert oder eine Formel darstellen:

  • Eingabefähiger Messwert (mit Standardwert)

  • Berechneter Messwert (Formel)

Beispiele für eingabefähige Messwerte können Mwst-Sätze (mit Standardwert 19% oder 7%), Rabatte, Boni und Skonti, Korrekturkoeffizienten, Wahrscheinlichkeit, alternative Einkaufs- und Verkaufspreise, Produktionskosten oder Deckungsbeitrag sein. Ein benutzerdefinierter, eingabefähiger Messwert kann als reine Eingabe oder als Teil einer Formel weiterverwendet werden.

Standardwert

Jeder eingabefähige Messwert hat einen Standardwert. Gibt man keinen Standardwert ein, so wird 0 als Standardwert angenommen. Dieser Standardwert gilt als Vorschlagswert bei der Dateneingabe und kann bei jedem Datensatz manuell geändert werden.

Abbildung 39 Eingabefähiger Messwert mit Standardwert

Wird der Standardwert eines Messwertes geändert, wirkt sich diese Anpassung ausschließlich auf neu entstehende Datensätze aus. Bereits vorhandene Datensätze behalten ihren bisherigen Wert unverändert bei.

Eine Aktualisierung bestehender Datensätze erfolgt nur, wenn die Option „vorhandene Datensätze ändern“ explizit aktiviert wird.

Option „vorhandene Datensätze ändern“

Diese Option kann dann nützlich sein, wenn man eine Änderung für alle Datensätze vornehmen möchte. Z.B. um einen schon gespeicherten MwSt-Satz zu korrigieren, muss man nicht bei jedem Beleg den neuen MwSt-Satz erneut eingeben, sondern lediglich den Standardwert bei allen vorhandenen Belegen anpassen.

Beim Aktivieren der Option „vorhandene Datensätze ändern“ wird der gewählte Messwert bei allen vorhandenen Datensätzen auf den Standardwert zurückgesetzt. Alle vorher manuell geänderten Zahlen dieses Messwertes gehen verloren. Deshalb ist die Option „vorhandene Datensätze ändern“ vorsichtshalber standardmäßig deaktiviert.

Im Unterschied zu eingabefähigen Messwerten, sind die Werte bei berechneten Messwerten nicht editierbar. Lediglich die Formel ist veränderbar. Dabei werden alle vorhandenen Datensätze neu berechnet. Eine Formel wirkt global für alle Wertebereiche unabhängig vom Zeitraum und Abschlussdatum. Die Option „vorhandene Datensätze ändern“ kann dabei nicht deaktiviert werden.

Abbildung 40 Berechneter Messwert (Formel)

Formeleingabe und Berechnungslogik

Beim Bearbeiten einer Formel können andere Messwerte direkt in die Berechnung eingebunden werden:

  • Auswahl per Doppelklick aus der Liste der verfügbaren Messwerte

  • oder manuelle Eingabe in eckigen Klammern (z. B. [Umsatz])

Für die Definition von Formeln stehen folgende Elemente zur Verfügung:

  • Arithmetische Operatoren: +, -, *, /

  • Runde Klammern zur Strukturierung von Ausdrücken

  • Erweiterte Formeln unter Verwendung von T-SQL-Syntax

  • Logische Operatoren wie AND, OR, NOT, IN, BETWEEN, LIKE

  • Funktionen wie ROUND, ABS und vergleichbare Funktionen

  • Bedingte Ausdrücke mittels CASE oder IF

Beispiel:

Eine gültige Formel muss mindestens einen anderen Messwert enthalten. Formeln, die ausschließlich aus Konstanten bestehen, werden als leer bzw. ungültig interpretiert.


Prüfung und Speicherung

Formeln können über die Funktion „Ausdruck überprüfen“ validiert werden. Nach erfolgreicher Prüfung können die Änderungen übernommen werden.

Änderungen werden jedoch erst nach dem Speichern wirksam.


Änderung des Messwerttyps

Der Typ eines Messwertes kann auch nachträglich geändert werden.

Dabei ist zu beachten:

  • Beim Wechsel zwischen eingabefähigem Messwert "Standardwert (Eingabe)" und berechnetem Messwert "Formel" gehen vorhandene manuell erfasste Werte verloren

  • Die Änderung wirkt sich unmittelbar auf die Art der Datenverarbeitung aus


Konsistenz von Formeln

Gespeicherte Formeln müssen konsistent bleiben.

Messwerte, die in einer Formel verwendet werden, können daher nicht gelöscht werden. Beim Versuch, einen solchen Messwert zu entfernen, wird eine entsprechende Warnmeldung angezeigt:

Abbildung 41 Konsistenzcheck beim Löschen eines Teils der Formel

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